„Die verschwundenen Musiker. Jüdische Flüchtlinge in Australien“

Die verschwundenen MusikerBerliner Philharmoniker-Magazin, Sept./Okt. 2011
Autor: Helge Grünewald

Albrecht Dümling, Musikwissenschaftler und -journalist, der sich seit Jahrzehnten mit Themen wie verfemte Musiker, verbotene Musik, Musiker im Exil befasst, verfolgt in diesem sehr gehaltvollen und detailreichen Buch das Schicksal jüdischer Musiker, die Nazi-Deutschland verlassen und sich in Australien eine neue Existenz aufbauen mussten.

Australien war für fast alle Emigranten terra incognita und gewiss kein Traumziel. So bemühten sie sich zuerst um andere Reiseziele, kamen oft auf Umwegen – über England, Indien, China und Singapur – auf den Fünften Kontinent. Hier interessierte man sich wenig für die europäische Musikkultur. Hinzu kamen starke Ressentiments gegen die aus Deutschland Geflohenen. Es gab Antisemitismus, antideutsche Stimmung sowie die Angst einheimischer Musiker, die Emigranten würden ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen. ….

Dass die Musiker ihren – wenn auch oft verborgen gebliebenen – Beitrag zur kulturellen Vielfalt des Landes leisteten, dokumentiert Dümling deutlich. Und mancher Name wird so dem Vergessen entrissen.

 

Deutschlandfunk
Musikjournal, 10.10.2011
Autor: Stefan Amzoll

Erstaunlich, was der Autor alles zusammengetragen hat. Ein neues, weithin unbekanntes Kapitel ist aufgeschlagen. Fakten, Zusammenhänge, zahllose Namen darin, individuelle Lebenslagen, eingeordnet in teils tragische politisch-soziale Kontexte. Im Fokus stehen das Leben vorher und danach, der rigide Ortswechsel, Haltungen der Behörden, die jäh veränderte Perspektive der Exilanten, ihre unterbrochenen Karrieren, ihre gestörten Lebensentwürfe, ihre individuelle Ängste, Hoffnungen, Wünsche. „Musiker“, dieses Wort ist ganz unelitär aufgefasst. … Ein breites, unbekanntes, hochinteressantes Feld.

Dümling schildert die verschieden Etappen der Auswanderung nach Australien immer an Beispielen individueller Schicksale. Die Gefahren, aus dem angestammten Land zu fliehen, der Kampf gegen die Restriktionspolitik der Behörden, die ewige Angst, die mitlief, spielen ebenso eine Rolle, wie das Flüchtlingsproblem aus australischer Sicht, also die offizielle Einwanderungspolitik. Die hohen Belastungen, mit denen die Angekommenen zu kämpfen hatten, erörtert das Kapitel „’You will be allright‘: Ankunft in Australien“. Letztlich dem Tode entronnen, verhieß das Leben in der „neuen Welt“ zumeist nichts Gutes. Das veränderte Dasein, macht die Schrift deutlich, durchschnitt Laufbahnen, durchkreuzte Lebensperspektiven, trieb in die Isolierung, verhinderte die weitere Ausübung des Musikerberufs.

Imposant der Forscherfleiß. Über Tausend Anmerkungen hat das Buch, eine schier endlose Literaturliste hängt dran, der Abdruck einer Auswahl benutzter Archive und Sammlungen, die fast durch die Welt führen, ein historischer Bildteil steht in der Mitte und, ganz wichtig, die jüdischen Akteure erhalten in Gestalt von Kurzbiografien Name und Gesicht.

 

MEDAON. Magazin für jüdisches Leben in Forschung und Bildung
Autor: Sven Fritz

Gestützt auf jahrelange Forschungen in internationalen Archiven und zahlreiche Interviews mit Zeitzeugen und ihren Angehörigen ist es Dümling gelungen, für dieses von der musik­wissenschaftlichen Forschung noch weitgehend unbeachtete Exilland eine überwältigend breite Quellenbasis zusammenzutragen. Auf dieser Grundlage gelingt es ihm, die Lebenswege zahlreicher vertriebener Musiker nachzuzeichnen und sie in den jeweiligen zeitgeschichtlichen Hintergrund einzuordnen…

Besonders gut gelingt Dümling die Verknüpfung der Biografien mit dem zeithistorischen Kontext bei der Beschreibung der individuellen Fluchtwege und des Klimas, in dem die Vertriebenen im Australien der 1930er und 1940er Jahre versuchen mussten, sich eine neue Existenz aufzu­bauen. Insbesondere die Schilderung der Lebensbedingungen während der Kriegszeit ist äußerst plastisch: Die Bedrohung, die den Exilanten aus den allgegenwärtigen Spionagevorwürfen und Denunziationen, aus der wachsenden Fremden- und Deutschenfeindlichkeit, aus der immer restriktiver werdenden Politik gegenüber den Flüchtlingen und nicht zuletzt aus der massenhaften Internierung erwuchs, wird ebenso deutlich wie die Strapazen und Demütigungen der in England internierten und zwangsweise nach Australien deportierten Musiker. Ausführlich werden auch die musikalischen Leistungen der Exilanten für das australische Musikleben gewürdigt — als Dirigenten, Komponisten und Orchestermusiker, in den Ensembles der Internierungslager und als Gründer der heute größten Konzertagentur Australiens „Musica-Viva“.

Dümling hat damit nicht nur Grundlagenarbeit zu einer bislang bestehenden Forschungslücke geleistet, sondern gleichzeitig ein wertvolles Werkzeug für die Exilforschung geliefert, das in Zukunft von allen, die auf der Suche nach vertriebenen und meist vergessenen Musikern sind, konsultiert werden wird.

 

Neue MusikZeitung, November 2011
Autorin: Barbara Haack

In jahrelanger akribischer Arbeit hat Albrecht Dümling die Schicksale jüdischer Musiker erforscht, die auf direktem oder indirektem Weg vor dem Nazi-Regime nach Australien flüchteten. Unter welchen Schwierigkeiten sie dorthin gelangten, wie sie – durchaus nicht besonders freundlich – in Australien empfangen wurden, welche musikalischen Wege sie dort – behindert durch eine extrem ausländerfeindliche Gewerkschaft – einschlugen: Das wird in Dümlings Buch höchst anschaulich und spannend beschrieben. Auch die Internierung der als „feindliche Ausländer“ eingestuften deutschen Juden spart das Buch nicht aus und vermittelt eine besondere Mischung aus Dankbarkeit für die Rettung dieser Musiker vor der Verfolgung einerseits und Melancholie über die be- oder gar verhinderte Entwicklung so vieler großer Musik-Talente – von der Klassik bis zur Unterhaltungsmusik – andererseits.

 

The Australian (Sydney)
19. November 2011
Autorin: Shirley Apthorp

Die Verschwundenen Musiker – Jüdische Flüchtlinge in Australien is Dumling’s seventh book, an impressive tome that meticulously presents its arguments and fastidiously documents a string of forgotten or dislocated lives without ever losing its lightness of touch. From the Spivakovsky-­Kurtz trio, whose members defected during a 1933 Australian tour on hearing of Hitler’s rise to absolute power, to entertainer and pianist Werner Baer, who later became organist of the Sydney Synagogue, Dumling has traced a web of connections between yesterday’s Germany and today’s Australia, a history of disgrace, culpability, neglect, unlikely twists of fate and even the occasional happy end.

 

Saarländischer Rundfunk
Bücherlese, 21. Januar 2012
Autor: Johannes Kaiser

Es war für den Berliner Musikwissenschaftler nicht einfach, die Schicksale zu recherchieren. Er traf einige noch lebende Musiker, durchforstete Archive, entdeckte Hinweise in Schiffspassagierlisten, Einwanderungsfragebögen, Briefwechseln. Sein Buch, ‚Die verschwundenen Musiker – Jüdische Flüchtlinge in Australien‘ ist die erste umfassende Studie dieser Art überhaupt. Er erzählt lebendig und ungeheuer detailreich die Geschichte vieler Musiker, angefangen vom Leben in Deutschland über die Schwierigkeiten der Einwanderung bis zur Nachkriegsintegration in Australien.

 

Inside Story (Australien)
16. Februar 2012
Autor: Glenn Nicholls

This impressive work of musical archeology brings to the surface the lives of ninety-six „vanished musicians“ who fled Nazism and settled in Australia. A few were famous artists who toured Australia and stayed, most notably the piano virtuoso Jascha Spivakowsky; others were lesser known… Only a minority of them were ever able to work as professional musicians in Australia.

Dümling has meticulously researched the hidden musical talents of this remarkable group. He follows their lives in great detail, assembling the facts from a vast range of primary sources, including interviews with the refugees and their descendants, personal files, shipping lists, correspondence, travel documents and applications for visas, employment and citizenship.     http://inside.org.au

 

Neue Musik Zeitung (Regensburg)
März 2012
Autor: Viktor Rotthaler

…. So ist das Buch weit mehr als nur eine verdienstvolle Ansammlung von „Einzelschicksalen“ entwurzelter Künstler. Albrecht Dümling zeichnet ein Panorama jener Jahre, das weit hinausgeht über die Musik. Dadurch leistet er auch einen großen Beitrag zur Exilforschung. 

 

Musenblätter – das unabhängige Kulturmagazin
April 2012
Autor: Johannes Vesper

…. Das minutiös und sorgfältig recherchierte Material, sehr gut lesbar, teilweise spannend, ist auf 444 Seiten im Böhlau-Verlag erschienen und könnte mit den eingelegten Stadtplänen und Karten mit Markierung musikhistorisch interessanter Orte auch für interessierte Australienreisende lohnen.

 

Lesart – unabhängiges Journal für Literatur
2/2012
Autor: Christian Schölzel

Wer die ausführlich geschilderten faszinierenden Lebensläufe der jüdischen Musiker im australischen Exil kennenlernen möchte, dem sei dieses außerordentlich kenntnisreich geschriebene Werk unbedingt ans Herz gelegt. Ein umfangreicher biographischer Anhang rundet dieses Buch ab.


Österreichische Musik-Zeitschrift
4/2012 (August 2012)
Autor: Daniel Ender

Die verschwundenen Musiker. Jüdische Flüchtlinge in Australien füllt eines der letzten großflächigen weißen Flecken auf der Forschungslandkarte über die Zeit des Nationalsozialismus vielfarbig aus. Rund zwei Jahrzehnte hat sich der Autor mit der Thematik beschäftigt, Zeitzeugen befragt und Archivarbeit geleistet. Sein Buch erzählt von Musikern aller Stilrichtungen, Komponisten und Interpreten ‚ernster‘ Musik ebenso wie Unterhaltungsmusikern wie – besonders ausführlich – den Weintraubs Syncopators aus Berlin.

 

theologie.geschichte, Zeitschrift für Theologie und Kulturgeschichte
Bd. 7 (2012)
Autorin: Sophie Fetthauer

Albrecht Dümling ist es gelungen, die Biographien von fast 100 Musikern und Musikerinnen detailliert zu recherchieren. Ihre Lebenswege scheinen sowohl in den verschiedenen Kapiteln seiner Abhandlung als auch in einem umfangreichen Anhang mit Kurzbiographien auf. Daneben enthält der Band ausführliche Verzeichnisse von Literatur und Quellen, eine Liste der Schiffe, mit denen die Flüchtlinge nach Australien kamen, ein Personenregister sowie Kartenmaterial. Ein Bildteil in der Mitte des Buches rundet die Arbeit ab.

 

Limbus. Australisches Jahrbuch für germanistische Literatur- und Kulturwissenschaft
Bd. 5 (2012)
Autorin: Birgit Lang

Für ein breites deutsches Publikum bietet dieser Band eine gute Einführung und einen Überblick über das australische Musikleben. Die umfangreiche Recherche zu den Einzelbiographien machen die meisten Kapitel zu einer anregenden Lektüre, und die Stimmen der  Betroffenen werden durch zahlreiche Zitate aus persönlichen Dokumenten zum Leben erweckt. […] Das Buch kann als biographisches Grundlagenwerk des australischen Musikerexils Geltung beanspruchen, und auch der Einblick in die zahlreichen Ego-Dokumente stellt sowohl für ein breites Publikum als auch für das Fach eine Bereicherung dar.

 

Shofar. An Interdisciplinary Journal of Jewish Studies
Volume 31. Number 3, Spring 2013, pp. 206-208
Autorin: Andrea Bandhauer

Dümling has accumulated an impressive amount of material and follows the lives of nearly a hundred displace musicians in great detail. He provides meticulousyl researched facts on their life trajectories collected from primary sources such as personal files, correspondence, interviews with the refugees themselves or their descendants, shipping lists, travel documents, and visa applications, as well as the the refugees‘ history of employment. The archival task he has accomplished is more than impressive. The abundance of facts makes parts of the volume read like an encyclopedia. Dümling’s intention seems to be to cover the entirety of musicians of popular as well as classical music affected by the persecution in their home countries and their subsequent displacement. The liveliness Dümling manages to transmit in his stories despite this makes the book a compelling read.

 

 

 

… an folgenden Orten

DEUTSCHLAND: Arnoldshain (Ev. Akademie), Augsburg (Hotel Drei Mohren), Bayreuth (Leuschner-Haus), Berlin (Akademie der Künste, American Academy, ARD-Hauptstadtstudio, Centrum Judaicum, Deutsches Historisches Museum, Freie Universität, GEMA-Generaldirektion, Hochschule der Künste, Hochschule für Musik „Hanns Eisler“, Hotel Adlon, Jüdisches Gemeindehaus, Jüdisches Museum, Konzerthaus Berlin, Kunstamt Berlin-Tiergarten, Lessing-Hochschule, Literaturforum im Brecht-Haus, Literaturhaus Berlin, Musikbibliothek Steglitz, Musikgymnasium C.P.E. Bach, Philharmonie, Polnisches Kulturinstitut, Schwartz‘sche Villa, Staatliches Institut für Musikforschung, Synagoge Rykestrasse, TU, Wissenschaftskolleg),Bremen (Haus am Park, Staatsarchiv), Caputh (Schloss), Chemnitz (Universität), Bonn, Corvey (Schloss), Dessau (Kurt Weill Fest), Detmold (Musikhochschule), Dresden (Zentrum für zeitgenössische Musik), Duisburg (Universität), Düsseldorf (Kunstsammlung NRW, Tonhalle), Elmau (Schloss), Essen (Folkwang-Hochschule, Kreuzeskirche), Freiburg i. Br. (Katholische Akademie), Freudenberg (Gustav-Heinemann-Akademie), Fulda (Musikschule), Güstrow (Barlach-Museum), Gummersbach (Theodor-Heuss-Akademie), Gut Siggen (Seminarzentrum), Hamburg (Hamburger öffentliche Bücherhallen, Schauspielhaus, Universität), Hannover (Staatsoper), Heidelberg (Jüdische Gemeinde), Heidenheim/Brenz (Paulusgemeindehaus), Ilmenau (Universität), Kassel (Rathaus, Universität), Köln (Musikhochschule, Sporthochschule), Leipzig (Oper), Leonberg (Rathaus), Liebenberg (Schloss), Ludwigshafen (Ernst-Bloch-Zentrum), Mainz (Rathaus, Volkshochschule), Malente (Gustav-Heinemann-Bildungsstätte), Marbach (Deutsches Literaturarchiv), Minden (Martini-Haus, Preußen-Museum), München (Bayerische Akademie der Wissenschaften, Orff-Zentrum), Neubrandenburg, Nürnberg (Germanisches Nationalmuseum), Osnabrück (Städtische Bühnen), Potsdam (Altes Rathaus), Prora/Rügen (Ausstellungszentrum), Rendsburg (Jüdisches Museum), Röbel (ehemalige Synagoge), Saarbrücken (Musikhochschule), Schwerin (Konservatorium), Solingen (Museum Baden), Stuttgart (Staatsarchiv), Sulzbach-Rosenberg (Literaturarchiv), Traunstein (Sommerkonzerte), Tübingen (Universität), Ulm (Stadthaus), Villingen-Schwenningen (Theater am Ring), Weimar (Schiller-Archiv), Wuppertal (Universität)

SCHWEIZ: Aarau, Ascona (Monte Veritá), Basel (Musikakademie, Theater), Bern (Universität), Davos (Musikfestival), Zürich (Konservatorium, Universität)

ÖSTERREICH: Graz (Institut für Wertungsforschung), Wien (Mozarthaus, Österreichische Gesellschaft für Musik, Musikuniversität, Musikverein, Staatsoper)

NIEDERLANDE: Amsterdam (De Ijsbreker), Den Haag (Königl. Konservatorium)

BELGIEN: Brüssel (Theatre de la Monnaie), Tournai

FRANKREICH: Paris (Palais du Luxembourg)

ITALIEN: Cagliari/Sardinien (Festival Spaziomusica), Milano (Scala)

SPANIEN: Barcelona (L’Auditori), Madrid (Residencia de Estudiantes), Sevilla (Universität)

TSCHECHIEN: Prag (Goethe-Institut)

GROSSBRITANNIEN: London (Royal Festival Hall, University of London, Wigmore Hall)

USA: Champaign/Urbana (University of Illinois), Los Angeles (Arnold Schoenberg Institute, Dorothy Chandler Pavilion, UCLA, Villa Aurora), New York (Bard College), Santa Monica/Kalifornien (Getty Center for the History of Art and the Humanities), Stony Brook (University of New York)

KANADA: Toronto (The Royal Conservatory of Ontario)

ISRAEL: Jerusalem (Konrad Adenauer Konferenzzentrum in Mishkenot Shaananim), Tel Aviv (Universität)

BRASILIEN: Brasilia, Belo Horizonte, Curitiba (Goethe-Institut), Sao Paulo (Goethe-Institut)

SÜDAFRIKA: Stellenbosch (Universität), Johannesburg (Goethe-Institut)

AUSTRALIEN: Adelaide (Flinders University), Brisbane (University of Queensland), Canberra (Australian National University ANU, Goethe Society, National Library, School of Music), Melbourne (University of Melbourne, Monash University, Victorian College of the Arts), Sydney (Jewish Museum, Macquarie University, University of New South Wales), Townsville (James Cook University)

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